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"Ein Unternehmer muss Multitalent sein"
Interview mit Otto Huml, Geschäftsführer des Waldkirchner Gründerzentrums - IGZ zu 94 Prozent ausgelastet

PNP vom Samstag, 3. November 2001 - Wirtschaftsregion Freyung-Grafenau

"Ein Unternehmer muss Multitalent sein"

Interview mit Otto Huml, Geschäftsführer des Waldkirchner Gründerzentrums - IGZ zu 94 Prozent ausgelastet

Von Barbara Haubner

Seit drei Jahren gibt es das IGZ in Waldkirchen. Hat es sich gelohnt, ein Gründerzentrum im Landkreis Freyung-Grafenau anzusiedeln?
Huml: Das IGZ in Waldkirchen hatte vom Start weg eine optimale Auslastung. Davon unabhängig glaube ich, dass jede Initiative, die die Wirtschaft und im Speziellen Existenzgründungen im Landkreis fördert, absolut lohnend ist. Allerdings braucht der Landkreis einen "Leuchtturm", wie das Gründerzentrum, wo Wirtschaftsförderung betrieben wird und eine überregionale Wahrnehmung da ist.

Ist das IGZ genügend ausgelastet?
Huml: Das IGZ Waldkirchen ist momentan zu 94 Prozent ausgelastet. Durch zwei Auszüge wird die Be~~~ung Ende des Jahres bei 86 Prozent liegen. Alles was über 80 Prozent liegt, kann als sehr gut bezeichnet werden. Momentan haben wir wieder Potential, neue Mieter aufzunehmen.

Was bietet das IGZ Waldkirchen jungen Unternehmern? Warum sollen sie sich gerade in der Dreiländer-Grenzregion niederlassen?
Huml: Neben einem repräsentativem Umfeld, betriebswirtschaftlicher Beratung und kaufmännischer Unterstützung können junge Unternehmer von dem Kontaktnetzwerk und den Synergieeffekten, die durch die Zusammenarbeit der Mieter untereinander entstehen, überdurchschnittlich profitieren. Für die Ansiedlung in der Dreiländer-Grenzregion sprechen genauso wie im gesamten Bayerischen Wald die sogenannten weichen Standortfaktoren: Wir arbeiten da, wo andere Leute Urlaub machen - in einer intakten Umwelt, mit niedrigen Lebenshaltungskosten. Gerade in diesen Krisenzeiten zeigt sich, dass der Bayerische Wald bezüglich Kriminalität und Terrorakten weit weniger gefährdet ist als andere Standorte.

Mit welchen Schwierigkeiten haben Jungunternehmer zu kämpfen, wenn Sie im Landkreis Freyung-Grafenau eine Firma gründen wollen?
Huml: Ein Jungunternehmer hat im Landkreis Freyung-Grafenau grundsätzlich nicht mit anderen Problemen zu kämpfen wie anderswo. Schwierig ist es jedoch für Betriebe, die sich gefestigt haben und expandieren wollen, geeignete Fachkräfte zu finden. Fachkräfte, Führungskräfte, Unternehmer und Investoren werden sich jedoch im Landkreis Freyung-Grafenau niederlassen, wenn das Image des Bayerischen Waldes erheblich verbessert wird. Daran gilt es, intensiv zu arbeiten.

In welchen Bereichen wünschen Sie sich von der Stadt Waldkirchen, dem Landkreis oder der Regierung Unterstützung?
Huml: Ich wünsche mir, dass die aktiven Personen im Landkreis, die sich mit der Regionalentwicklung beschäftigen und sich im Wirtschaftsforum Freyung-Grafenau zusammengeschlossen haben, mit finanziellen Mitteln unterstützt werden - damit der Bayerische Wald ein Magnet für Unternehmer und Fachkräfte wird.

Wie beurteilen Sie das Angebot an Gewerbeflächen in Waldkirchen für Unternehmer, die sich nach ihrer Zeit im IGZ hier ansiedeln wollen?
Huml: Der Standort des Gründerzentrums in Waldkirchen ist strategisch gesehen leider falsch. Die Region Waldkirchen könnte überdurchschnittlich vom IGZ profitieren, wenn um das Gründerzentrum herum Flächen zur Ansiedelung für expandierende Firmen aus dem IGZ kostengünstig zur Verfügung stünden. Die Existenzgründer finden jedoch im Gewerbegebiet Manzing in Waldkirchen gute Möglichkeiten zur Ansiedlung. Natürlich ist dieses Gewerbegebiet nur eine von vielen Alternativen im Landkreis.

Das IGZ pf~~~t rege Kontakte nach Tschechien und Oberösterreich. Welchen Nutzen hat die grenzüberschreitende Zusammenarbeit für die Jungunternehmer?
Huml: Wir haben einen sehr guten Kontakt zur Wirtschaftskammer in Rohrbach. Auch der Kontakt zur Wirtschaftskammer in Budweis ist geknüpft und wird ausgebaut. Momentan haben drei Existenzgründer im IGZ Waldkirchen mehr oder minder intensive Beziehungen zu Tschechien. Natürlich hilft der eine oder andere Kontakt des Gründerzentrums diesen Firmen.

Birgt der EU-Beitritt Tschechiens auch Gefahren für die ostbayerischen Unternehmer?
Huml: Der EU-Beitritt Tschechiens wird kommen und lässt sich nicht mehr wegdiskutieren. Probleme werden diejenigen Unternehmer der Region bekommen, die sich nicht mit der EU-Erweiterung auseinandersetzen, den konkreten Vorteil für sich und ihren Betrieb analysieren und entsprechende Maßnahmen ergreifen. Es gibt mit Sicherheit Branchen, die durch das niedrige Lohnniveau in Tschechien zu leiden haben, wie zum Beispiel die Textil-Branche. Mit am meisten wird sicherlich die Bau-Branche zu kämpfen haben. Mit diesen Strukturveränderungen werden jedoch die weitsichtigen Unternehmer umgehen können.

Hat die derzeit schwierige konjunkturelle Lage auch Auswirkungen auf Existenzgründungen?
Huml: Natürlich wirkt sich die derzeitige konjunkturelle Lage auf die Gewerbeanmeldungen aus. Im Gründerzentrum Waldkirchen ist zwar nach wie vor große Nachfrage nach Gründerberatung, jedoch fehlen nachhaltige, arbeitsplatzschaffende Gründungen. Auch die 22 Kol~~~en der Bayerischen Gründerzentren sprechen von einer Stagnation beziehungsweise einem Rückgang an Existenzgründungen.

Was müssen (Jung-)-Unternehmer unbedingt beachten, um die Anforderungen die das 21. Jahrhundert an Firmen und Arbeitskräfte stellt, erfüllen zu können?
Huml: Den Unternehmer der Zukunft möchte ich als "Multitalent" definieren. Ein Unternehmer in der heutigen Zeit muss immer mehr zum Allrounder werden. Er muss sich bestens informierter Kundschaft stellen und neben seinem Handwerkszeug auch die Fähigkeit besitzen, die Kunden zu motivieren, gerade bei ihm zu kaufen. Ein Unternehmer muss heute mehr denn je wissen, was sich in seiner Branche tut, um möglichst schnell mit Veränderungen in seinem Dienstleistungsangebot reagieren zu können. Kenntnisse im Bereich Rechnungswesen, Kalkulation, Unternehmensplanung und Controlling sind unerlässlich, um bestehen zu können.

Daten zum IGZ
Eröffnung: 11. März 1998;
Fläche: 1600 qm²;
Mieter: bislang 21 Firmen, sechs Auszüge, zwei Firmen-Aufgaben; derzeit zwölf Mieter (drei Produzierer, neun Dienstleister);
Eigentümer: Zweckverband IGZ Waldkirchen, bestehend aus Landkreis Freyung-Grafenau und Stadt Waldkirchen;
Geschäftsführer: Otto Huml (34), staatlich geprüfter Betriebswirt, seit 1992 selbstständiger Unternehmensberater für klein- und mittelständische Betriebe in der Region;
Infos: im Internet unter "www.igz-waldkirchen.de" oder Tel. 08581/9710





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Mitglied der ARGE TGZ

IGZ Waldkirchen
Am Steinfeld 12
94065 Waldkirchen
Tel.: 08581/971-0
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